Anne van der Hem
Ich bin Anne, aufgewachsen im friesischen Dorf Jorwert. Als Anthropologin beschäftige ich mich mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Wie Menschen sich zu ihrer Umgebung verhalten und wie wir als Menschen Teil der Natur sind. Diese Verbindung suche ich selbst am liebsten draußen. Ich bin gerne unterwegs, auf der Suche nach neuen Orten, neuen Erfahrungen und neuen Geschichten.
Wandern ist für mich eine verkörperte Form der Aufmerksamkeit. Eine Art Achtsamkeit in Bewegung, bei der man Schritt für Schritt wieder näher zu sich selbst und seiner Umgebung kommt. In den Bergen arbeite ich als Führerin, lebe nah an der Natur und dem Wetter. Gerade deshalb fühlt es sich besonders an, jetzt zu meinen Wurzeln zurückzukehren und das Ziltepad zu laufen. Entlang der Grenze von Land und Meer, wo Wind und Wetter das Tempo bestimmen.
Mit guter Vorbereitung, Vertrauen in meinen Körper und Neugier auf das Unbekannte gehe ich den Weg. Auf der Suche nach neuen Erfahrungen, neuen Erkenntnissen und dem Abenteuer, das entsteht, sobald man sich entscheidet loszugehen.
Tag 1
Den Helder – Huisdoorn
Wo das Wattenmeer endet
und die Nordsee beginnt,
verändert sich etwas.
Zuerst der Deich
Steine, die harten Schläge des Wassers.
Eingefasst, begrenzt.
Dann der Strand.
Sand, der nachgibt,
Schaum, der kommt und geht.
Ein Gewirr aus Seetang, Mustern und einem gefundenen Zahn.
Raum zum Bewegen, Kunst ohne Plan.
Dann die Tulpen, fesselnd in ihrer Vollkommenheit.
Reihen, die passen müssen, Farbe, die dem Land aufgezwungen wird.
Ich betrachte sie, doch ich sehne mich zurück.
Zur Ursprünglichkeit, zum Raum und zur Freiheit.
Zum Wasser, das nicht da sein muss, sondern einfach da sein darf.
Tag 2
Wo das Meer zurückweicht und die Tulpen drängen
Ein Tag im Übergang
Noch in der Stadt,
noch nicht ganz weg.
Heute fühlte es sich an wie ein Tag im Übergang.
Noch nicht wirklich in der Natur,
aber auch nicht mehr im alten Rhythmus.
Irgendwas dazwischen.
Erst am Wattenmeer wurde es ruhiger.
Ich saß einen Moment auf dem Deich,
die Sonne im Gesicht.
Als wäre ich erst jetzt wirklich angekommen.
Mein Körper braucht noch etwas Zeit, um sich anzupassen.
Die ersten Blasen bilden sich,
der Rucksack fühlt sich noch schwer an,
der Rhythmus ist noch nicht da.
Aber irgendwo weiß ich,
dass es so beginnt.
Langsam sinke ich zurück,
vom Kopf bis zum Körper.