Der letzte Polder

Der Carel Coenraad Polder ist der letzte Polder, der in der Region Oldambt angelegt wurde. Eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der 20er Jahre. Die Baracken der Schlickarbeiter haben eine bemerkenswerte Geschichte.

Der Carel Coenraadpolder, benannt nach dem Kommissar der Königin Carel Coenraad Geertsema, ist der östlichste Polder der Niederlande. Mit der Eindeichung des Polders wurden die letzten Gebiete am Dollart zurückerobert.

Schwerstarbeit
Bis in den Zweiten Weltkrieg wurde außerhalb der Deiche weiter gearbeitet. Ein neuer Polder wurde dort nicht mehr realisiert. Allerdings ein paar Baracken mit einer ganz besonderen Geschichte. Diese Baracken wurden 1940 für die Schlickarbeiter gebaut. Die Arbeit auf der Schwelle zwischen Land und Watt war extrem anstrengend. Die Männer gruben und hackten im groben Schlick herum - von morgens früh bis das Wasser bei Flut wiederkam. Gegessen wurde im Stehen, denn in dem nassen Schlick gab es keinen Platz zum Sitzen. Nur bei Regen durften sie sich in die Baracken zurückziehen.

Dollart Süd (Ambonezenbosje)
Nach dem Krieg wurde die Arbeit im Schlick fortgesetzt, aber die Baracken bekamen eine neue Funktion. Sie wurden nun zu einem Internierungslager für NSB-Anhänger, unter Aufsicht des ehemaligen Polizeimeisters Verdam. Dieser verbreitete allseits Angst und Schrecken.

1950 wurde er wegen Misshandlungen verurteilt. Das Lager wurde wegen der schlimmen Zustände dort geschlossen.

Nach 1953 wurden die Baracken wieder in Gebrauch genommen. Diesmal dienten sie zur „Unterbringung“ von 311 Menschen von der indonesischen Inselgruppe Molukken, die flüchten mussten, weil sie im Unabhängigkeitskrieg auf niederländischer Seite gekämpft hatten. Diese Menschen sollten zunächst nun ein paar Monate bleiben. Sie durften sich daher nicht integrieren und sollten möglichst wenig mit Niederländern in Kontakt kommen.

Nach sieben Jahren wollten diese Bewohner den Carel Coenraadpolder nicht mehr verlassen, entgegen der diesbezüglichen, ab 1960 immer intensiveren Bemühungen der Regierung. Im Dezember 1961 wurde das Lager durch dreißig Polizisten gewaltsam geräumt. Die Baracken wurden abgerissen und es wurden schnellwachsende Pappeln gepflanzt. Im Volksmund bekam dieses seltsame Landschaftselement im ansonsten offenen Polder den Namen ‘Ambonezenbosje’ (Ambonesen/Molukker-Wäldchen). Ein außergewöhnlicher und geschichtsträchtiger Ort für einen Besuch.

Welt-Wasser-Erbe

Lesen Sie hier mehr über das Welt-Wasser-Erbe

Wattenmeerküste Groningen

Lesen Sie hier mehr über Wattenmeerküste Groningen