Welt-Wasser-Erbe

Die Niederlande erhielten ihre heutige Form unter dem Einfluss der See. Im Wattenmeergebiet findet man überall die Zeichen von diesem Prozess. Warften, ein engmaschiges System aus Deichen, Pumpwerke, Polder und der Abschlussdeich. Die Wattenmeerregion ist berühmt für ihr einzigartiges Wassermanagement. Die Küste und die Inseln wurden größtenteils dem Meer entrissen. Häufig schlug die See jedoch mit allesvernichtenden Sturmfluten zurück. Aber die Region hat Frieden mit dem Watt geschlossen. Zum ersten Mal in der Geschichte wird dem Watt wieder mehr Platz eingeräumt; eine nachhaltige Antwort auf den Klimawandel.

Die Anfänge des Wassermanagements

Die Geschichte der Niederländer und ihrer außergewöhnlichen Beziehung zum Wasser beginnt in der Region am Wattenmeer. Seit etwa 600 v.Chr. ließen sich die ersten Bewohner an der Küste nieder und bauten dort ihre berühmten Warften. Die Geschichte von Mensch und See ist immer wieder faszinierend. Und sie dauert noch immer an. Es ist eine Geschichte von Pionieren in einer rauen, unwirtlichen Umgebung, von raffinierten Lösungen und bautechnischem Erfindungsreichtum. Von Landgewinnung, Entwässerung und der Schaffung eines endlos weiten Horizonts. Aber auch eine Geschichte vom Leben unter dem Meeresspiegel, mit allen entsprechenden Risiken.

Eroberte Landschaft

In der Landschaft rund um das Wattenmeer spiegelt sich die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Die Küste wurde durch Klimaveränderungen und schwere Stürme geformt. Aber auch durch den Menschen und seine Eingriffe, um die Natur zu unterwerfen und dem Meer immer mehr Land zu entreißen. Texel ist ein gutes Beispiel dafür. Die Insel entstand 1170 während der vernichtenden Allerheiligenflut. Bis ungefähr 1630 bestand Texel aus zwei kleinen Inseln. Die Bewohner verbreiterten den Strand und die Dünengebiete auf der Nordwestseite mithilfe von Pflanzen, die den Sand festhielten. Hinter dem auf diese Weise entstandenen Seedeich polderten sie das Land ein.

Die ersten Warften

Die Küste am Festland entwickelte sich entsprechend der Dynamik des Wattenmeers und der Kenntnisse des Wassermanagements. Mit jedem Gezeitenwechsel hinterließ die See eine Schlickschicht, wodurch das Land entlang der Küste nach und nach höher wurde. Die ersten Bewohner wurden von den fruchtbaren Lehmböden angezogen. Aus dem Marschland wurden Plaggen gestochen, mit denen Warften errichtet wurden. Archäologische Untersuchungen belegen, dass die Bewohner dieser Warften zumindest seit dem 1. Jahrhundert auch bereits im kleineren Rahmen Ringdeiche um die Warften herum anlegten. Damit schützten sie ihre Gewächse gegen Überflutungen.

Neustart

Etwa ab dem Jahr 200 scheint dies nicht mehr ausreichend gewesen zu sein. Schwere Überflutungen machten das Leben im Küstengebiet nahezu unmöglich. Warften wurden überschwemmt und die Menschen zogen sich zurück. Anfang des 5. Jahrhunderts ließen die Überflutungen nach und es wagten sich neue Bewohner in das Gebiet, die die Überreste der Warften als Grundlage für neue Warften verwendeten. 

Bauernwarften entwickelten sich zu Warftendörfern und manchmal sogar zu Städten, wie Leeuwarden und Dokkum. Die Wattenmeerküste wurde zu einer der am dichtesten bevölkerten Regionen Europas. Vergleichbar mit dem Paris der damaligen Zeit. Und trotz der umfangreichen Abgrabungen von Warften im 19. und 20. Jahrhundert markieren die zahlreichen „Dutch mountains“ mit ihren robusten romanischen Kirchen noch immer die Skyline dieser weitläufigen, uralten Kulturlandschaft.

Deiche und Wasserbauwerke

Die Bewohner benötigten immer mehr Platz, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren und Handel treiben zu können. Im 10. Jahrhundert begann der systematische Bau der Deiche. Die ersten Deiche bildeten einen Ring, auf dem mehrere Warften standen, wie zum Beispiel das Pingjumer Halsband - heute eine malerische Wanderroute. In der Mitte des Rings lagen Ackerflächen. Bereits zwei Jahrhunderte später, so belegen juristische Dokumente, waren Seedeiche, Wassergänge und Schleusen gebaut worden.

In den darauffolgenden Jahrhunderten wurden Priele eingepoldert und die Seedeiche immer weiter hinausgeschoben. Bei jedem neuen Deich war die Technik etwas weiter fortgeschritten. Das erkennt man heute vor allem in Groningen noch ganz gut an der Weitläufigkeit der Landschaft. Eine ganz besondere Gegebenheit. Wer von den ältesten Warftendörfern aus durch die Deichscharten hindurch in Richtung Wattenmeer spaziert oder radelt, der begibt sich auf eine Zeitreise.

Auf dieser Route sieht man auch, wie Hochwasserschutz und Wassermanagement immer weiter perfektioniert wurden. Die Namen der Wissenschaftler, die sich darum bemühten, sieht man überall entlang der Wattenmeerküste. Straßen, Schleusen und Pumpwerke wurden nach ihnen bekannt. Einer dieser Namen ist Willem Loré (1679 - 1744). Dieser Mathematiker präsentierte einen revolutionären Entwurf für den Bau der Deiche: breiter und mit kleinerem Steigungswinkel. Es stellte sich heraus, dass diese Deiche wesentlich besser der Kraft der Wellen standhalten und außerdem viel günstiger anzulegen waren.

Weihnachts-Flut

Dank derartiger Innovationen zogen Sturmfluten und Deichbrüche keine Tausenden Opfer mehr nach sich. Am Heiligabend 1717 hatte die Wattenmeerküste zuletzt mit einer solchen Katastrophe zu kämpfen. Die Hochwasserkatastrophe, die als „Kerstvloed“ (Weihnachts-Flut) in die Geschichte einging und vor der insbesondere Groningen schwer getroffen wurde, kostete etwa 2500 Menschen das Leben. Danach lebte es sich hinter dem Deich sicher.

Der Neue Abschlussdeich

Die Niederlande bekamen eine Vorreiterrolle für Hochwasserschutz und Wassermanagement. Dutch Delta Design ist ein bekannter Begriff. An der gesamten Wattenmeerküste entlang finden sich Glanzstücke der Ingenieurskunst - und ein Vorzeigestück ist der Abschlussdeich aus 1932. Dieser 30 Kilometer lange Deich, der eigentlich kein Deich ist, sondern ein Damm, trennte die ehemalige Zuiderzee vom Wattenmeer, um Städte wie Amsterdam in Zukunft zu schützen. Er wurde zum Symbol der niederländischen Wasserbaukunst. Jährlich besuchen ihn Tausende von Touristen aus dem In- und Ausland.

In den nächsten Jahren werden erneut Arbeiten an diesem Bauwerk durchgeführt. Der wichtigste Grund ist dabei die Sicherheit. Infolge des Klimawandels muss der Deich überarbeitet werden. Ganz anders als zum damaligen Neubau werden der Einfallsreichtum und das Wissen der Deichbauer diesmal auch der Natur und dem Klima zu Gute kommen. So wird der Neue Abschlussdeich Energie erzeugen. Und zum ersten Mal in der Geschichte wird in einem Hochwasserschutz eine Öffnung angebracht, um Fischen wieder einen Durchlass in ihre Paarungsgebiete in den Rheingewässern zu verschaffen.

Fischmigrationsfluss

Der Fischmigrationsfluss ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Bewohner der Wattenmeerregion heutzutage an vielen Stellen entlang des Weltnaturerbes Wattenmeer nicht mehr gegen das Meer ankämpfen, sondern harmonisch mit ihm zusammenleben. Öko-Engineering allererster Güte. Im nagelneuen Afsluitdijk Wadden Center bei Kornwerderzand – gleichzeitig Informationszentrum des Weltnaturerbes Wattenmeer - erfährt man alles Wissenswerte über diese und viele andere Geschichten über das Welt-Wasser-Erbe im Wattenmeergebiet.

5 top belevenissen langs het watererfgoed - let op: invulling komt nog.

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