Wanderroute Westpolder-Salzwiesen
Schau doch schon mal rein
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Die Wanderroute am Westpolder führt über Salzwiesen verschiedener Eigentümer. Im ersten Abschnitt wandern Sie durch das Gebiet des Wasserverbands und anschließend über die Salzwiesen von Sijpkens, Toxopeus und De Weerd. Danach steigen Sie wieder auf den Deich und sehen zu Ihrer Rechten den Westpolder und zu Ihrer Linken den Julianapolder.
Das erwartet Sie
Beschreibung
Die Salzwiesen wechseln zu jeder Jahreszeit ihre Farbe. Im Frühling, wenn die Salzwiesenpflanzen sprießen, leuchten sie frischgrün, im Sommer, wenn die Meeresastern blühen, lila und im Spätsommer durch den Queller tiefrot. Die Nähe zum Meer macht die Salzwiese zu etwas Besonderem. In vielen Namen von Salzwiesenpflanzen schwingt das Meer mit, wie zum Beispiel bei der Salz-Schein-Spurie und der Meeres-Alsum. Diese Pflanzen wissen – oft auf geniale Weise –, wie sie
regelmäßige Salzbäder überstehen können. In der Pionierzone, nahe am Meer, wo bei Flut alles unter Wasser steht, wächst Queller. Näher am Deich finden sich Arten wie die Strandaster und die Salz-Gänsefuß.
Die salzhaltige Vegetation zieht Leben an, darunter Hunderte von Insektenarten, Spinnentiere und andere Wirbellose.
Seegras
Eine Salzwiesenpflanze bereitet Landwirten und Naturschützern Sorgen: Seegras. Die Grasart breitet sich aus und dominiert große Teile der Salzwiesen. Die Verbuschung geht zu Lasten wertvoller Salzpflanzen sowie von
Gänsen und Watvögeln, die die überwucherten Bereiche meiden. Die Lösung: Schafe, Pferde und Kühe. Die Weidetiere machen das Salzwiesengebiet wieder ideal für Pflanzen und Vögel. Vögel gibt es dort zwar immer noch in Hülle und Fülle, aber bei weitem nicht mehr so viele wie vor zwanzig Jahren. Bei Flut kommen hier Tausende aus dem Wattenmeer an, um sich auszuruhen und zu fressen. Eine auffällige Vogelart ist der Silberreiher, dessen Bestand in den letzten Jahren im Winter stark zugenommen hat. Wenn die Silberreiher zu ihren Brutgebieten aufbrechen, treffen die Löffler aus Afrika ein. Die Löffler brüten auf Schiermonnikoog und den beiden Rottums, halten sich aber oft auf diesen Salzwiesen auf.
Entenkojen
Einzigartig sind die beiden Entenkojen im Westpolder. Es sind die letzten Entenkojen in Groningen – die letzten noch erhaltenen Entenkojen in Groningen. In unserem Entenkorb wird das Handwerk des Entenkorbbauers nicht
mehr aktiv ausgeübt: Es werden keine Enten gefangen. Im privaten Entenkorb von Herrn Mansholt hingegen schon. Der Entenkorb von Mansholt ist ein alter Sumpf, der bei einem Deichbruch entstanden ist. Die Entenfalle „Nieuw Onrust“ wurde
um 1898 von Hand ausgehoben und ist etwa zwei Hektar groß. Seit 1991 befindet sich die Falle im Besitz von „Het Groninger Landschap“. Die Stiftung erhält die Falle und den Entenfangbetrieb sowie deren kulturhistorische, landschaftliche und naturwissenschaftliche Werte
. Im Rahmen des Waddenfonds-Projekts „Kongsi van de kooieend“ wurden kürzlich Sanierungsarbeiten an der Entenfalle durchgeführt.
Die Randbepflanzung wurde zurückgeschnitten, der Teich der Entenfalle wurde ausgebaggert und mit einer neuen Uferbefestigung versehen. Die Fangarme werden komplett neu aufgebaut.
Die Mansholt-Dynastie
Hätte er hier bei Pfahl 82 gestanden, der noch junge Sicco Mansholt? Wäre der vierzehnjährige Jugendliche missmutig zum Deich gelaufen? Möglich. Der spätere EU-Kommissar will nicht mit ansehen, wie der elterliche Hof Torum 1922 aufgrund von Unstimmigkeiten in der Familie bei einer Versteigerung verkauft wird. Mit den Händen in den Taschen läuft er in den Polder hinein und kämpft gegen seine Tränen an. Der Polder, das ist der Westpolder. Man könnte ihn aber genauso gut den Mansholt-Polder nennen. Siccos Großvater Derk Roelfs besitzt Torum, ebenso wie dessen Bruder Jochem Fletum,
sein Sohn Rijpko Jan Manneplaats und seine Schwester Hilda Westerhalm. Eine ganze Mansholt-Dynastie verwaltet den Westpolder.
Kaum ein Jahr nach der Eindeichung im Jahr 1876 schlägt das Schicksal zu. In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar steigt der Wasserstand beunruhigend an. Die Flut von 3,90 Metern drückt das Wasser über den Deich, und der Polder füllt sich wie eine Badewanne. Jochem Mansholt rettet sich mit seiner Frau und seinem einjährigen Kind mit knapper Not. Vierzehn andere, meist Landarbeiter, ertrinken in dieser schrecklichen Nacht und liegen in einem Massengrab auf dem Friedhof von
Vierhuizen begraben. Die Bauern fangen von Neuem an. Es ist ihr Land, ihr dem Meer abgewonnenes Land. Ihre Landgewinnung. Auch ihr Kampf gegen … den Staat. Ein Achtzigjähriger Krieg, und mehr noch: Es ist ein jahrhundertelanger Kampf darum, wem das Land hinter dem Deich gehört. Dem Staat oder dem Bauern? Ein Prozess folgt auf den anderen, und jedes Mal entscheidet der Richter: Aufgeschüttetes Land ist ein altes Bauernrecht. Erst im 20. Jahrhundert kommt es zu einem Vergleich. Der Bauer behält sein grünes Deichviertel, der Staat verwaltet den Rest des Wattes. Wenn man bei Pfahl 82
steht, an der Biegung im Deich, ist die Welt in Ordnung. Das Land außerhalb des Deiches sieht aus wie kariertes Papier. Bleistiftlinien im Lehm. Aus der Nähe betrachtet sind es Dämme aus Reet, die die Wellen brechen und die Salzwiese schützen sollen. Kluten kratzen Zeichen in den Schlamm. Eine sanfte Brise faltet die Gräben. Stille nach so vielen Stürmen