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Wattenmeer – UNESCO-Weltkulturerbe

Das Wattenmeer ist die letzte echte Naturlandschaft der Niederlande. Wetter, Wind und Wasser schaffen hier immer wieder eine einzigartige Landschaft aus Schlickflächen, Salzwiesen, Dünen, Rinnen und Sandbänken. Dieses riesige Gezeitengebiet ist für Millionen von Vögeln und Fischen von großer Bedeutung. Dort findet man große Raubtiere wie die Gewöhnliche und die Graue Seehundart und manchmal auch Schweinswale. Aber wenn man sich Zeit nimmt und genau hinschaut, entdeckt man noch viel mehr. Entdecken, Erleben und Erforschen werden im Weltnaturerbe Wattenmeer belohnt.


(Lesezeit: ca. 10 Minuten)

Das Weltkulturerbe Wattenmeer wurde in den Niederlanden zum „schönsten Naturgebiet“ gewählt. Das Wattenmeer ist eines der letzten großen Gezeitengebiete, in denen die Naturkräfte ungehindert wirken können. Jedes Mal, wenn man dorthin kommt, ist es anders. Wasser, Schlick und Sand verschieben sich mit jeder Gezeitenbewegung. Über das System aus Rinnen, Prielen und Schluchten fallen Schlick- und Sandbänke trocken, auf denen Seehunde ruhen und Vögel nach Nahrung suchen. Der Meeresboden wirkt kahl, ist aber voller Leben.

Pionierpflanzen
Bei Ebbe siehst du die Pflanzen, die in Salzwasser leben können, wie Blasen- und Knüppeltang sowie Meersalat. Auf den Salzwiesen am Rande des Wattenmeeres findest du Pionierarten wie Schlickgras und Queller. Sie binden Schlick, wodurch sich die Salzwiesen aufschichten und auch andere Arten eine Chance bekommen. Zum Beispiel Seeweegbree, Schorrenzoutgras und Seepostelein, aber auch Lamsoor, das bei seiner Blüte die gesamte Salzwiese violett färbt. 

Sauerstoffproduzenten
Algen und Seegras sind die wichtigsten Sauerstoffproduzenten der Welt. Wichtiger beispielsweise als die Regenwälder. Die mikroskopisch kleinen Algen verleihen den Wattflächen ihre charakteristischen Farben, von leuchtendem Grün bis hin zu Gold. Das für das Auge weniger ansprechende Kaffeebraun stammt von Kieselalgen. Es handelt sich also nicht um Verschmutzung, sondern um wichtige Nahrung für Wattschnecken, Schlickgarnelen und Wattwürmer. Der Wattboden kann auf einem Quadratmeter Zehntausende von Würmern und Muscheln enthalten.

Nonnetjes und Muschelbänke
Nonnetjes leben genau wie andere Muscheln, Krebstiere und allerlei Würmer in Höhlen und Gängen im Meeresboden. Sie verraten ihre Anwesenheit durch Spuren wie die unregelmäßigen Sandhaufen, die Wattwürmer nach oben arbeiten. In Wasserlachen findet man Garnelen, Krabben und Seesterne. Miesmuscheln und japanische Austern können große Bänke bilden, manchmal zusammen mit anderen Muscheln und Seepocken.

Millionen von Vögeln

Das reichhaltige Leben im Watt erklärt die Millionen von Vögeln, die dort nach Nahrung suchen und sich mit der Flutlinie mitbewegen. Ein beeindruckender Anblick. Zum Beispiel: Brachvögel, Strandläufer, Austernfischer, verschiedene Möwen- und Entenarten sowie Löffler. Seeregenpfeifer halten sich vor allem in den Salzwiesen auf. Das Wattenmeer ist wie eine Tankstelle. Viele Vögel legen dort einen Zwischenstopp auf ihrem Zug nach und von Afrika, Kanada oder Sibirien ein. Andere überwintern oder brüten im Wattenmeergebiet. Sie nutzen die geschützten Ruhe- und Brutgebiete, wie die Vogelinsel Griend und den Vogelboulevard auf Texel.

Flut
Mit der Flut ändern sich die Verhältnisse. Jetzt, da es für Vögel sicher ist, machen sich Garnelen, Einsiedlerkrebse und Krabben auf die Suche nach Nahrung auf dem Meeresboden. Es strömt viel neue Nahrung herein, von den kleinsten Organismen bis hin zu Fischen. Das Wattenmeer verfügt über ein komplexes Nahrungsnetz aus Arten, die einander brauchen. Genau wie für Zugvögel ist das Wattenmeer für viele Fische ein unverzichtbares Bindeglied. Es ist unter anderem eine Laichstätte für Scholle, Kliesche und Kabeljau. Es gibt aber auch Arten, die ihr gesamtes Leben im Wattenmeer verbringen, wie Grundeln, Flunder und Butterfische.

Seehunde und Schweinswale

Seehunde orten Fische bereits aus einer Entfernung von hundert Metern. Mit ihren Schnurrhaaren spüren sie die kleinsten Bewegungen im Wasser. Auf der Jagd erreichen sie mühelos eine Geschwindigkeit von 35 Kilometern pro Stunde. Wählerisch sind sie nicht, sie passen ihr Menü dem Angebot an. Genau wie Schweinswale. Seehunde und Schweinswale sind die größten Raubtiere des Wattenmeers. 

Grau- und Seehunde sind wieder zu festen Bewohnern des Wattes geworden, und vielleicht gilt das bald auch für den kleinen heimischen Wal, den Schweinswal. Während sich Seehunde in großer Zahl auf Sandbänken ausruhen, ist das Beobachten von Schweinswalen etwas schwieriger, doch ihre Rückenflossen werden wieder immer häufiger gesichtet.

Ein Erlebnis, das in Erinnerung bleibt

Das Besondere am Weltnaturerbe Wattenmeer ist auch, dass man weder ein Flugzeug noch einen Tauchanzug braucht, um es zu entdecken. Die Natur lässt sich von den Rändern des Wattenmeeres aus gut erleben. Du kannst aber auch über den Meeresboden laufen, mit einem Segelboot auf Grund laufen, um mitten im Geschehen zu stehen, oder an einer Schleppnetz-Exkursion mitten auf dem Wattenmeer teilnehmen. Ein intensives Erlebnis, das dir immer in Erinnerung bleiben wird.

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