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„Jede Mühle ist einzigartig“

Jan Tollenaar ist seit 45 Jahren Müller. Eine ungewöhnliche Berufswahl für jemanden, der Geografie an der Reichsuniversität Groningen studiert hat. Doch für Jan gab es keine andere Option. Eines Tages stieß er auf eine Mühle und verliebte sich auf den ersten Blick. „Mein alter Geist erkannte sie sofort wieder, und ich machte dort weiter, wo ich aufgehört hatte.“


Lesezeit: ca. 10 Minuten 

Im Alter von 27 Jahren wurde er selbstständiger Müller an der Mühle in Burdaard. Eine Mühle mit einer Geschichte, denn sie war 1972 vom Blitz getroffen worden. Da die Mühle zu hoch war, um den Brand zu löschen, brannte sie schließlich vollständig nieder. Glücklicherweise wurde die Mühle einige Jahre später wieder aufgebaut. Als Jan die Mühle übernahm, gab es ein Problem: Die Mühle war zwar wieder aufgebaut, aber die für das Mahlen notwendigen Einrichtungsgegenstände fehlten. Jan beschloss, das Problem selbst zu lösen, und durchstreifte das ganze Land auf der Suche nach den Teilen, die er brauchte. Den Mahlstein holte er schließlich aus Gouda. So konnte ab 1988 wieder gemahlen werden. 

Mühle „De Zwaluw“

Jeder Mensch ist einzigartig. Und laut Jan Tollenaar gilt das auch für jede Mühle. Die Mühle „De Zwaluw“ in Burdaard ist eine große, hohe Mühle, die noch täglich in Betrieb ist. Dass die Mühle im Wattenmeergebiet steht, trägt zu ihrem besonderen Charakter bei. Die Mühle ist umgeben von Ruhe, Weite und Großzügigkeit. Hier ist die Dunkelheit noch wirklich dunkel und die Stille wirklich still. Die Umgebung sorgt laut Tollenaar für eine angenehme Arbeitsatmosphäre. „In der Gegend leben so viele nette Menschen, man kennt sich untereinander. Und das schafft viel gegenseitiges Vertrauen.“

Der Mahlprozess

Eine Besonderheit der Mühle ist, dass dort sowohl Bretter als auch Mehl hergestellt werden. Sie stellen vor allem Vollkornweizenmehl her, aber auch viele Backmischungen für den begeisterten Hobbybäcker. Und alles ist im gemütlichen Mühlenladen erhältlich. Ein Tipp vom Müller: Probieren Sie unbedingt einmal das Vollkornweizenmehl und das Pfannkuchenmehl. Das Mehl, das man im Mühlenladen kaufen kann, hat bereits eine beachtliche Reise hinter sich. Der Weizen für das Mehl wird lose bei der Mühle abgeladen. Danach folgen die Reinigung, das Befeuchten und das Vorvermahlen. Erst dann kann auf den Mahlsteinen gemahlen werden. Eine präzise Arbeit, bei der der Müller genau auf die Temperatur und die Feinheit des Mehls achten muss. Nach dem Mahlen folgen das Sieben, das Verpacken und der Verkauf. Bei der Mühle in Burdaard nutzt man so viel Windenergie wie möglich, doch der Wind tagsüber reicht nicht aus, um die gesamte Produktion zu decken. Da Wind nicht gespeichert werden kann, verweht der nächtliche Wind.  

Die Arbeit

Im Arbeitsalltag des Müllers steht die Aufrechterhaltung des Betriebs an erster Stelle. Die Produktion, die Reinigung der Mühle, die Verwaltung und der Verkauf: Alles läuft in einem logischen Kreislauf aus Tagen, Wochen, Monaten und Jahren ab. „So wie André Rieu die Stille liebt, so liebe ich als Müller die Arbeit, die ‚erledigt‘ ist. Ein Dachboden voller Mehl, ein voller Mehlschrank, ein voller Lieferwagen und alle Rechnungen bezahlt. Eine gut laufende kleine Mühle ist dabei ein schöner Nebeneffekt.“

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