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Nachtvögel des Meeres

Wenn ich in einer Schule die Frage stelle: „Wer kennt ein paar echte Nachttiere?“, gehen fast sofort alle Finger der Kinder in die Höhe. Fledermäuse werden oft als Erstes genannt. Dicht gefolgt von Mäusen und Ratten, Nachtfaltern, Füchsen und natürlich dem bekanntesten Nachttier: der Eule. Wenn ich die Frage noch einmal stelle, dabei aber das Wort „Nachttier“ durch „Nachtmeertiere“ ersetze, gehen viel weniger Finger in die Höhe. Während wir bei Landtieren selbstbewusst die Tiere nennen können, geht hier und da nur ein zögerlicher Finger hoch. Die selbstbewussten Antworten weichen oft Fragen. Quallen? Krabben? Vielleicht Seehunde? Das Gleiche passiert übrigens auch bei den Wattenmeer-Expeditionen für Erwachsene. Wir wissen es eigentlich nicht. Wenn man bedenkt, dass etwa 70 % der Erde aus Wasser bestehen, ist das ziemlich bemerkenswert. Und so gibt es – auch aus wissenschaftlicher Sicht – noch viel über das Leben in den Weltmeeren zu entdecken und zu lernen.

Die Aasgarnele und der Tintenfisch

Genau wie bei den Tieren an Land gibt es auch im Meer Tiere, die es vorziehen, gerade „nachts“ aktiv zu sein. Was diese nachtaktiven Landtiere und Meerestiere gemeinsam haben, hat oft mit „Fressen und gefressen werden“ zu tun. Nehmen wir zum Beispiel die Aasgarnele. Diese kleine Garnele lebt tagsüber auf dem Meeresboden und schwimmt nachts an die Oberfläche, um nach Nahrung zu suchen. Warum nachts? Unter anderem, weil Fische, die gerne Aasgarnelen fressen, dann „schlafen“ und daher weniger aktiv sind. Dasselbe Verhalten beobachten wir beispielsweise auch bei Mäusen, die sich nachts sicherer fühlen und gerade dann aktiv sind und nach Nahrung suchen. Aber wenn man als Maus die Lieblingsspeise von (zum Beispiel) einer Eule ist, wird diese gerade nachts aktiv sein, um ihre Lieblingsspeise zu fangen. Der Sepia – eine Tintenfischart, die vor allem in der Nordsee vorkommt und deren weiße Schalen (Meerschaum) man regelmäßig am Strand finden kann – ist für die Ködergarnele das, was die Eule für Mäuse ist. Der Schrecken der Nacht. Ködergarnelen stehen ganz oben auf der Top-10-Liste der Sepia, was ihre Lieblingsnahrung angeht. Die Sepia – die man auch als Tintenfisch kennt – ist daher genau wie eine Eule nachts aktiv, weil sie sich gerade dann mit Ködergarnelen satt fressen kann.

Riesige Augen

Genau wie nachtaktive Landtiere haben sich auch nachtaktive Meerestiere angepasst, um gerade nachts leben und überleben zu können. Pfeilkalmare zum Beispiel haben im Verhältnis enorm große Augen. Die Augen des Riesenkalmars sind mit etwa 25 cm (so groß wie ein Fußball!) die größten aller Tiere. Mit großen Augen kann man im Dunkeln mehr Licht einfangen. Diese im Verhältnis großen Augen sieht man auch bei Eulen. Dadurch können sie auch nachts mehr wahrnehmen. Dass die Augen eines Riesenkalmars so enorm groß sind, ist schon etwas Besonderes. Ein Riesenkalmar hat aufgrund seiner Größe eigentlich nur einen ernstzunehmenden Feind: den Pottwal. Doch in der Tiefe, in der diese Riesenkalmare leben, ist es so dunkel, dass man selbst einen Pottwal nicht kommen sieht. Forscher haben erst kürzlich herausgefunden, wozu diese extrem großen Augen dienen: Leuchtende Algen. Wenn sich ein Pottwal durch das Wasser bewegt, werden Algen hin und her geschüttelt und strahlen dadurch ein schwaches Licht aus. Dadurch entstehen leuchtende Wolken, die der Riesenkalmar mit seinen extrem großen Augen wahrnehmen kann – was für ihn den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen kann.

Wer kennt ein paar echte nachtaktive Meerestiere?

Die Welt besteht zu 70 % aus Wasser, und doch nennen wir sie „Erde“. Jeden Tag erfahren wir mehr über die Geheimnisse und die Verletzlichkeit unserer Weltmeere. Ich bin fest davon überzeugt, dass in den kommenden Jahren immer mehr selbstbewusste Hände in die Höhe gehen werden, wenn die Frage gestellt wird: „Wer kennt ein paar echte Nachtmeertiere?“

Mit freundlichen Grüßen vom Wattenmeer,

Der Wattmeister | Casper Meinders

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