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Risiken, gesunder Menschenverstand und gute Vorbereitung auf das Wattenmeer

Wattwandern hat etwas Vertrautes. Du setzt einen Schritt, schaust zum Horizont, spürst den Wind im Gesicht – und ehe du dich versiehst, bist du „einfach ein Stück unterwegs“.

Nur: Das Watt ist keine Kulisse. Es ist ein lebendiges Gebiet, das sich stündlich verändert. Boden, Sicht und Wasserstand bewegen sich mit Wind und Gezeiten. Diese Seite soll dich nicht bremsen, sondern dafür sorgen, dass du entspannt bleibst: mit einem klaren Bild davon, wo es manchmal schiefgehen kann, und was du tun kannst, um das Watt mit Vertrauen zu betreten. Denn Wattwandern darf großartig sein – solange es vernünftig geplant wird.

Wo es schiefgeht

Die Beispiele kennen wir leider auch. Ende Juli blieb ein Kind bis zum Hals im Schlamm bei Peazemerlannen, in der Nähe von Moddergat, stecken. Zuvor gerieten zwei Männer an den reparierten Reisholzdämmen im Vorland von Wierum fest. In diesem Jahr rief eine Frau die 112, weil sie sich nicht mehr befreien konnte. Und ein Wanderer erlitt mitten auf dem Watt einen Herzinfarkt; die Hilfe dauerte zu lange.

Es sind heftige Momente, doch sie weisen oft auf die gleiche Ursache hin: Das Watt wird als „Spaziergang“ unterschätzt, während es in Wirklichkeit eher einer Tour durch ein sich ständig veränderndes Gelände ähnelt.

Was steckt meist dahinter?

  • Boden, der anders ist, als das Auge sagt. Schlamm kann tragen, aber auch saugen. Jeder Schritt kostet dann plötzlich Zeit und Kraft.

  • Zeit, die schneller vergeht, als man denkt. Die Gezeiten sind kein Hintergrund, sie sind die Uhr, nach der alles läuft.

  • Entfernung und Anstrengung. Auf Schlick läuft man anders als auf Sand. Müdigkeit kommt früher, das Tempo sinkt schneller.

  • Hilfe ist nicht in der Nähe. Du bist nicht „einfach mal vom Weg abgekommen“. Du bist an einem Ort, den du nur mit Planung erreichst – und an dem Rettung Zeit braucht.

Die gute Nachricht: Das alles ist zu vermeiden, ohne dass Wattwandern zu einem komplizierten Projekt wird. Es beginnt mit einem einfachen Schalter im Kopf: nicht in Kilometern denken, sondern in Bedingungen.

Und genau hier kommt der Wattwanderführer ins Spiel. Nicht als Luxus, sondern als jemand, der das Gebiet „liest“, während du schaust. Er weiß, wo der Boden zuverlässig ist, wo Rinnen liegen, wie der Wind das Wasser treibt und wann du noch Spielraum in deinem Zeitfenster hast. Das macht die Tour nicht nur sicherer – es macht sie auch entspannter.

Vorbereitet zu sein ist normal, nicht übertrieben

In Norwegen steht nicht an jedem Abgrund ein Geländer. In Kanada hängt manchmal nur ein kurzer Hinweis, den man ernst nimmt. Nicht dramatisch, aber klar. Das Wattenmeer verlangt dasselbe: keine Panik, sondern Aufmerksamkeit.

Ein paar Dinge machen den Unterschied – gerade weil sie klein sind:

  • Das Tidegeschehen als Routeninformation lesen. Wann hast du Spielraum, und wann wird dieser knapp?
  • Das Wetter als Mitwanderer verstehen. Wind und Sicht bestimmen, wie „groß“ sich das Wattenmeer anfühlt.
  • Mit Puffer planen. Weicher Boden, nasse Passagen oder eine Gruppe, die auseinanderzieht – all das kostet Zeit.
  • Eine Tour wählen, die zur eigenen Erfahrung passt. Lieber eine Strecke, die sich entspannt gehen lässt, als eine, die am Ende zur Kraftprobe wird.
  • Und: Begleitung wählen, wenn es sinnvoll ist. Gerade bei längeren Touren, Querungen oder unbekanntem Gelände.

Auch Unternehmer können hier niedrigschwellig helfen: ein kurzer Hinweis in der Bestätigungsmail, eine Karte am Tresen, ein Verweis auf einen Guide. Nicht belehrend – einfach hilfreich. Damit Menschen kommen, aber mit dem richtigen Ausgangspunkt.

Zum Abschluss – klein, aber wichtig

Wer im Watt unterwegs ist, bewegt sich auch durch das Zuhause anderer. Halte daher Abstand zu Vögeln und Seehunden, führe deinen Hund dicht bei dir, wenn du einen dabeihast, und nimm alles wieder mit, was du mitgebracht hast. Das macht die Tour ruhiger, einfacher – und oft auch übersichtlicher.

Wattwandern ist kein Strandspaziergang. Und das muss es auch nicht sein. Mit ein wenig Vorbereitung (und manchmal mit einem Guide an deiner Seite) wird es genau das, was man sich erhofft: eine offene Welt, frische Luft und ein Kopf, der danach wieder ein Stück weiter blickt als zuvor.

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Dieser Blog entstand in Zusammenarbeit mit Rijkswaterstaat.

Ihre Einblicke und Praxisbeispiele haben maßgeblich zur Entstehung dieses Beitrags beigetragen.