„Leben im Rhythmus der Jahreszeiten“
Kategorien
Bist du auf dem Weg zum Pier in Richtung Ameland? Dann halte Ausschau nach einem Bauernhof mit einem großen Foto an der Fassade. Auf dem Foto sind Klaske Miedema und ihr Mann Syds zu sehen, die stolzen Besitzer des Ackerbaubetriebs, den ihre Eltern 1979 gegründet haben. Wir sprachen mit Klaske über die Schönheit des Ackerbaus, die Einflüsse der Wattenmeerregion und den lokalen Verkauf von Kartoffeln.
Lesezeit: ca. 10 Minuten
Vom Bauernhof aus blickst du auf die Felder voller Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide. Wer genau hinschaut, kann das Wetter schon von Ameland her kommen sehen. Die Arbeit als Landwirt in dieser weitläufigen Gegend ist laut Klaske herrlich. „Das Schönste an diesem Beruf ist das Leben im Rhythmus der Jahreszeiten. Dass man sieht, wie die Pflanzen wachsen und zu etwas heranreifen. Und jedes Jahr bekommt man wieder eine neue Chance.“ Das Wachstum der Pflanzen ist ein langwieriger Prozess. Das Anbaujahr beginnt mit dem Pflanzen und Säen der Kulturen. Danach folgt die Vegetationsperiode: In dieser Zeit werden die Pflänzchen so gut wie möglich geschützt und gepflegt, damit sie zu vollwertigen Pflanzen heranwachsen können. Etwa im August sind die Pflanzen groß genug, um geerntet zu werden, und gegen Ende des Jahres beginnt die Verarbeitung der Ernte. Bei der Verarbeitung werden die Kartoffeln nach Größe und Güteklasse sortiert. Die großen Kartoffeln landen auf unserem Teller und werden gegessen. Die kleineren Kartoffeln werden als Pflanzgut für das nächste Jahr verkauft und reisen um die ganze Welt.
Einfluss des Wattenmeergebiets
Klaske Miedema wuchs inmitten der Felder auf, ganz in der Nähe des Deiches in Holwerd. „Ein Ort, an dem man den Wind und den Regen spürt.“ Das Leben im Wattenmeergebiet gefiel ihr so gut, dass sie 2008 gemeinsam mit ihrem Mann Syds beschloss, den Hof ihrer Eltern zu übernehmen. „Am schönsten finde ich es, wenn ich mitten auf den Feldern stehe, inmitten der weitläufigen Wiesenlandschaft rund um den Hof. Dann kann ich Leeuwarden sehen, die Felder, den Himmel, den Deich und das Dorf.“ Der Einfluss des Wattenmeergebiets ist für die Pflanzen sehr wichtig. Der Lehmboden an der Küste lässt sich besser bearbeiten, was den Kartoffeln zugutekommt. Auf dem Lehmboden und dem Meeresboden im Wattenmeergebiet wachsen herrliche Kartoffeln für den Teller, voll von Geschmack. Neben dem Boden gibt es noch einen weiteren sehr wichtigen Faktor: die Luft. Die Meeresbrise trägt nämlich fast keine Blattläuse mit sich. Dank der sauberen Luft und des Windes vom Meer müssen sie auf dem Hof von Klaske und Syds weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen als Erzeuger im Landesinneren.
Lokal angebaute Erzeugnisse
Klaske und Syds Miedema versuchen, ihre Produkte so weit wie möglich vor Ort zu verkaufen. Das Ziel ist es, den Menschen in der Umgebung bewusst zu machen, was eigentlich alles in ihrer eigenen Region angebaut und hergestellt wird. „Wir möchten den Menschen gerne die Jahreszeiten näherbringen und sie mit den lokal produzierten Erzeugnissen bekanntmachen.“ Ein Teil der Kartoffeln vom Hof von Klaske und Syds wird im örtlichen Supermarkt in Holwerd verkauft. Auch wenn dies noch nicht den größten Anteil ausmacht, streben sie danach, so viel wie möglich vor Ort zu verkaufen. Der Boden und das Klima der Wattenmeerregion haben großen Einfluss auf die verschiedenen Kartoffelsorten. Daher ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Sorten vor Ort geteilt werden. So entsteht ein vielfältiges Angebot an lokalen Produkten, der lokale Anbau wird sichtbar und die Menschen können all die Köstlichkeiten aus ihrer eigenen Region genießen.
Sorten und Geschmacksrichtungen
Auf dem Bauernhof von Klaske und Syds werden daher 10 verschiedene Kartoffelsorten angebaut. Zu jedem Gericht und zu jeder Jahreszeit passt eine andere Kartoffel. Im örtlichen Supermarkt werden vier dieser Kartoffelsorten verkauft, die alle auf ihre eigene Weise köstlich sind. So ist die „Borger“ eine Saisonkartoffel und bei echten Feinschmeckern sehr beliebt. Möchtest du einen leckeren „Stamppot“ zubereiten? Dann verwendest du am besten die herrlich cremigen „Irenes“. Die „Bintjes“ eignen sich wiederum hervorragend für Pommes frites. Und schließlich gibt es noch die Ottena, eine „einfach leckere Kartoffel“ zum Kochen. Oder na ja, zum Kochen. Wenn es nach Klaske geht, jedenfalls nicht: „Ich fand es schon früher schrecklich zu sehen, wie Leute ihre Kartoffeln in Wasser kochen. Sie schmecken wirklich viel besser, wenn man sie dämpft! Das kommt dem echten Geschmack der Kartoffel so viel mehr zugute.“
-
Leben vom Wattenmeer
Leben vom Wattenmeer
-
Geschmack des Wattenmeeres
Geschmack des Wattenmeeres