Die Verbundenheit mit dem Wattenmeer
Kategorien
Seit 2015 ist Henk-Jan van der Veen Förster in Südwest-Friesland. Er kann uns alles über die Projekte „Holwerd aan Zee“, die außerhalb des Deiches gelegenen Salzwiesen von Holwerd und die Überwachungsfalle am Lauwersmeer erzählen. Er nimmt uns mit nach Holwerd. Laut Henk-Jan ist das noch ein unbekannter Teil der Niederlande. Warum? Lies unten seinen ausführlichen Bericht!
Lesezeit: ca. 10 Minuten
Das echte Wattenmeer-Gefühl
Holwerd vermittelt dir ein echtes Wattenmeer-Gefühl, allerdings vom Festland aus. Im Zentrum von Holwerd spazierst du zwischen zwei Strandwällen und siehst die authentischen Häuser. Hier bekommst du ein echtes Wattenmeer-Gefühl. Hier scheint die Sonne, hier weht der Wind und hier schmeckst du das Salz auf deiner Zunge. Das ist Holwerd. Du musst nur den Deich überqueren und schon stehst du auf dem Watt.
Tipps vom Förster
Holwerd ist ein Ort für Naturliebhaber. Bist du kulturbegeistert? Dann ist ein Besuch der nordniederländischen Museen ein schönes Ausflugsziel. Henk-Jan verrät dir, was du bei einem Besuch in Holwerd unbedingt sehen solltest:
- Ein Besuch im Zentrum von Holwerd. In Holwerd gelangt man über die Kirche direkt in die Dorfstraße. Diese Dorfstraße ist ein wunderschöner, rustikaler Ort.
- Ein Besuch auf dem Deich. Am Pier kannst du den Deich hinaufsteigen. Dort siehst du das Kunstwerk: „Warten auf Hochwasser“. Wenn du jedoch über den Deich blickst, siehst du den Vogelplas. Bei klarem Wetter kannst du sogar auf einen Blick das gesamte Gebiet über den Deich hinweg überblicken, bis hin nach Ameland.
Lücke im Deich
Nach der Flutkatastrophe wurden meterhohe Deiche errichtet, damit das Meerwasser das Land nicht mehr erreichen kann. Durch den heutigen Deich fühlen sich Einwohner und Touristen weniger mit dem Meer verbunden. Holwerd hat eine schwierige Zeit hinter sich. Deshalb wurde der Plan „Holwerd aan Zee“ entwickelt. Durch diesen Plan erhält das Dorf wieder eine direkte Verbindung zum Meer mittels eines Durchbruchs im Seedeich. Dadurch soll die Verbindung zwischen dem Weltkulturerbe Wattenmeer und dem Hinterland wiederhergestellt werden. Der Plan „Holwerd aan Zee“ bietet eine Chance für die nördliche Küstenzone. So entsteht ein neues Tourismus- und Erholungsgebiet. „Holwerd aan Zee“ als Küstengebiet in Kombination mit der Salzwiesen-Natur. Anwohner und Besucher sollen dadurch wieder eine Verbindung zur Natur herstellen können. Zudem entsteht durch den Durchbruch auch wieder ein Übergang zwischen Süß- und Salzwasser. Das Erlebnissee wird dadurch mit Salzwasser gespeist, was bedeutet, dass Fische sich bald wieder vom Meer ins Landesinnere, also von Salzwasser zu Süßwasser und umgekehrt, bewegen können.
Ebbe und Flut auf dem Kwelder
Um den echten Übergang von Süß- zu Salzwasser zu erleben, musst du zu den Salzwiesen gehen. Hier findet der eigentliche Übergang vom Meer zum Land statt. Die Salzwiese ist somit auch die direkte Verbindung zum Meer. Wenn du über die Salzwiese läufst, läufst du praktisch über den Grund des Wattenmeeres. Eine Salzwiese ist Land außerhalb der Deiche. Das Meer hat hier Schlick und Tonpartikel hinterlassen. Mittlerweile ist diese Schicht so hoch gewachsen, dass man hoch und trocken darüber laufen kann. Im Durchschnitt ein- bis zweimal im Jahr wird die Salzwiese bei Hochwasser vollständig überflutet. Dann kann bis zu einem Meter Wasser auf der Salzwiese stehen. Den größten Teil des Jahres kann man hier jedoch problemlos darüber laufen. Die Salzwiese steht ständig unter dem Einfluss von Ebbe und Flut.
Das Besondere am Wattenmeergebiet ist, dass es das größte Gezeitensystem der Welt ist, in dem natürliche Prozesse nahezu ungestört ablaufen können. Das gesamte Wattenmeer ist ein einzigartiger Teil der Niederlande, der zum Teil von Menschenhand geschaffen wurde.
Ein unbekanntes Stückchen der Niederlande
Die meisten Menschen fahren nur durch Holwerd, um so schnell wie möglich die Fähre nach Ameland zu erreichen. Doch hier verbirgt sich noch ein unbekanntes Stückchen der Niederlande. Parke zum Beispiel dein Auto auf dem Parkplatz auf halber Strecke des Piers auf der linken Seite und beginne deinen Ausflug bei den Salzwiesen zu beiden Seiten. Möchtest du ein besonderes Erlebnis? Dann überquere den Radweg, nimm den Pfad über die Ostsalzwiese und spaziere über den alten Seedeich zur Vogelbeobachtungshütte. Hier versammeln sich Tausende von Watvögeln auf der Suche nach Nahrung, darunter Austernfischer, Seeregenpfeifer und Brandgänse. Gleichzeitig hast du einen Blick über das Wattenmeer und bei klarem Wetter kannst du die Dünenkuppen von „Het Oerd“ auf Ameland sehen.
Entlang des Wanderwegs findest du außerdem Queller und Strandaster, typische salzliebende Pflanzen, die nur auf Salzwiesen wachsen. Außerdem kannst du hier die Vogelstimmen genießen. Henk-Jan nennt das auch den „Waddensound“. Vor allem im Frühling herrscht auf der Brutinsel beim Pier eine Kakophonie aus Geräuschen, verursacht durch die vielen Austernschauern, Lachmöwen und Flussseeschwalben. Während des Vogelzugs im Herbst hört man auf dem Watt unter anderem den Ruf des Brachvogels und des Austernfischers.
Über den Förster Henk-Jan
Henk-Jan van der Veen wurde 1965 geboren und lebt selbst im Norden von Overijssel. Er arbeitet seit 20 Jahren bei der staatlichen Forstverwaltung „Staatsbosbeheer“. Seit 2015 ist er als Förster für die Öffentlichkeit in Südwest-Friesland tätig. Möchten Sie mehr von Henk-Jan lesen? Zusammen mit seinen Kollegen schreibt er regelmäßig Blogs für „Staatsbosbeheer“. Außerdem ist er auf Twitter und Instagram zu finden.
Weiterlesen? - Entdecken Sie auch diese Geschichten von Visit Wadden
-
Die positive Wirkung der Natur
Die positive Wirkung der Natur
-
Märchen und Sagen
Märchen und Sagen
-
Wanderdünen
Wanderdünen