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Wattenwandern von Holwerd nach Ameland

Das Wattwandern ist vielleicht die einzigartigste Art, das UNESCO-Weltkulturerbe Wattenmeer zu erleben. Letzten Freitag wanderten wir von Holwerd nach Ameland – eine Tour, die dieses Mal etwas anders war als sonst. Eine angepasste Route, etwas kürzer in Kilometern, aber durch den tiefen, saugenden Schlamm um einiges anstrengender. Es wurde eine Tour voller Natur, besonderer Fakten, Durchhaltevermögen und eines erfrischenden Sprungs in die Nordsee. 

Eine angepasste Route: weniger Kilometer, mehr Herausforderung

Während die klassische Tour normalerweise einen Schwierigkeitsgrad von 7,5 hat, wurde diese Version bereits im Vorfeld auf einen Schwierigkeitsgrad von 8,5 eingeschätzt. Was das genau bedeutet? Sagen wir mal: ordentlich ins Zeug legen. Obwohl wir „nur“ 12,7 Kilometer gelaufen sind, haben wir dafür vier Stunden gebraucht. Vor allem der erste Abschnitt war anstrengend, mit Stellen, an denen man bis zu den Knien im tiefen Schlamm versank. Danach wurde es glücklicherweise etwas leichter: Wir liefen über festen Sand und konnten in einem ruhigeren Rhythmus weitergehen. 

Da keine Gezeiten gleich sind, informiert sich der Guide am Vorabend über die aktuellen Wasserstände, das Wetter und den Zustand des Wattes. Auf dieser Grundlage wird die für diesen Moment am besten geeignete Route festgelegt. So unternimmst du immer eine einzigartige Tour, die auf die Bedingungen des jeweiligen Tages abgestimmt ist. 

Wattenwandern bedeutet, sich auf den Rhythmus der Gezeiten einzulassen

Eine Tour über das Watt unternimmst du immer mit einem Führer, was nicht nur vorgeschrieben und sinnvoll ist, sondern auch besonders lehrreich. Einer der großen Pluspunkte ist das Wissen, das unterwegs vermittelt wird. Unser Führer, erkennbar an seiner grünen Bluse und seinem roten Rucksack, wusste auf spannende Weise über das Leben auf und unter dem Watt zu berichten: 

  • Muschelsaat: An dieser Stelle lag letztes Jahr Muschelsaat, winzige Kügelchen von etwa einem Millimeter Größe. Muscheln brauchen drei Jahre, um auf Verzehrgröße heranzuwachsen. 

  • Zeeländische Muscheln = Wattenmeermuscheln: Viele Menschen wissen es nicht, aber viele „zeeländische“ Muscheln werden zunächst im Wattenmeer bei Terschelling, Vlieland und Texel gezüchtet. Erst wenn sie fast reif sind, werden sie von zeeländischen Fischern geerntet. 

Noch mehr Wissenswertes

  • Bei Flut strömen 20 Milliarden Kubikmeter Wasser in das Wattenmeer. Der Meeresboden, über den wir gerade gelaufen sind, steht innerhalb weniger Stunden wieder etwa 1,5 bis 2 Meter unter Wasser. 

  • Seeregenwürmer als Bodenverbesserer: Ein Seeregenwurm verarbeitet pro Jahr etwa 25 Kilogramm Sand. Die Millionen von Seeregenwürmern, die hier leben, wühlen den Boden mehrmals im Jahr um. Unverzichtbar für die Gesundheit des Wattes. 

  • Braune Schicht auf dem Watt: Was wie ein schmutziger Belag aussieht, ist in Wirklichkeit von großem Wert. Diese Biofilmschicht absorbiert CO₂ und trägt so zum Kampf gegen den Klimawandel bei. Genau wie ein Wald, nur auf dem Meer. 

Im eigenen Tempo auf die andere Seite

Während wir den Geschichten unseres Führers atemlos lauschten, kam über das Funkgerät von Herman, dem Führer an der Spitze, ein dringender Aufruf: „Jetzt noch ein Stück zügig weiter, wir müssen die letzte Rinne noch überqueren, bevor das Wasser steigt!“ 

Wir waren etwas in Verzug geraten und machten uns daher schnell auf den Weg. Der letzte Wassergraben stand mittlerweile bereits bei 1,55 Metern, wir würden also sowieso nass werden. Eine kalte, aber auch erfrischende Erfahrung, am Ende der Tour komplett durch das Wasser zu waten. Im Nachhinein gab Herman zu, dass man diesen „Spaß“ auch hätte vermeiden können, indem man einen Umweg von 400 Metern gemacht hätte. Aber hey, das gehört zum Erlebnis dazu. 

Das Ziel: Ameland und die Nordsee

In der Ferne sahen wir bereits den Aussichtshügel von Ameland liegen, das Endziel unserer Tour. Auf der Insel angekommen, liefen wir noch eine knappe halbe Stunde in Richtung Nordseeküste weiter. Der Traktor, der uns abholen sollte, war noch unterwegs, was uns einen unerwarteten Bonus bescherte: ein erfrischendes Bad in den Wellen der Nordsee. Es gibt nichts Schöneres, als sich den Schweiß und den Schlamm des Wattenmeers im salzigen Wasser abzuwaschen. Die meisten sprangen einfach mit Kleidung und allem hinein. Wir waren ja sowieso schon nass. 

Praktische Tipps für deine Wattwanderung:

Möchtest du das Wattwandern selbst erleben? Dann solltest du ein paar Dinge wissen: 

  • Schuhe: Wattwander-Schuhe oder alte Turnschuhe, die gut sitzen, sind ein Muss. All-Stars eignen sich überraschend gut. 

  • Sonnenschutz: Auch bei bewölktem Himmel, denn auf dem Watt bekommst du schneller einen Sonnenbrand, als du denkst. 

  • Wasserdichte Tasche: Für trockene Kleidung, Handy und Wertsachen. 

  • Essen und Trinken: Nehmen Sie ausreichend Wasser und leicht zu verzehrende Snacks mit. 

  • Trockene Kleidung für danach: Besonders praktisch, wenn du noch zurückreisen musst. 

Jede Wattwanderung ist anders. Das macht dieses einzigartige Erlebnis jedes Mal zu etwas Besonderem. Ob Sie nun wegen der körperlichen Herausforderung, der weitläufigen Natur, der Ruhe oder der Geschichten des Führers kommen: Das Watt lässt sich nie ganz vorhersagen. Aber eines ist sicher: Sie kehren immer bereichert zurück, als Sie aufgebrochen sind. 

Möchten Sie mehr über das Wattwandern erfahren? - Hier mehr lesen

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