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Immer „auf Empfang“? So schaffst du wieder Platz in einem überfüllten Kopf

Du musst nicht jedem Gedanken nachjagen

Etwas außerhalb des friesischen Dorfes Hantum, unweit des Wattenmeers, liegt Karma Deleg Chö Phel Ling. Ein tibetisch-buddhistisches Studien- und Meditationszentrum. Zwischen Wiesen, Wasser und wehenden Gebetsfahnen wird dort täglich rezitiert und meditiert. Außerdem gibt es Vorträge, Workshops und Möglichkeiten für individuelle Retreats. Die Stiftung steht Menschen jeden weltanschaulichen Hintergrunds offen, die Ruhe oder Vertiefung suchen. Doch Wim möchte dazu gleich etwas anmerken. Das Zentrum ist kein Ort, an dem man ankommt, den Kopf frei macht und ein paar Tage später „fertig“ wieder nach Hause geht. Wer hier länger im Retreat bleiben oder sich weiter in die buddhistische Praxis vertiefen möchte, hat oft bereits Erfahrung mit Achtsamkeit und Buddhismus.

Nehmen Sie die Dinge selbst in die Hand

Ruhe ist laut Wim nämlich nichts, was jemand anderes für dich organisieren kann. Man muss selbst lernen, hinzuschauen. „Wenn man sieht, was den ganzen Tag über in einem selbst vor sich geht, dann erkennt man die Emotionen. Man sieht, wie Gedanken und Emotionen kommen und gehen“, erklärt er. Je öfter man das übt, desto mehr Raum kann seiner Meinung nach zwischen all diesen Gedanken entstehen. Das klingt vielleicht abstrakt. Aber eigentlich ist es ziemlich praktisch. Ein Gedanke taucht auf: ‚Das muss ich noch erledigen.‘ Darauf folgt: „Warum habe ich das nicht schon früher gemacht?“ Und ehe man sich versieht, steckt man mitten in einer ganzen Diskussion mit sich selbst. Achtsamkeit beginnt laut Wim damit, zu erkennen, dass dies geschieht – ohne dass jeder Gedanke sofort zu einer Aufgabe wird.

Wir finden ziemlich viel

Dazu kommt noch etwas: Wir bilden uns blitzschnell ein Urteil über etwas. Über andere, über eine Situation und oft genug auch über uns selbst. Das macht den Kopf nicht gerade leichter. Wim beschreibt Achtsamkeit als das Lernen, das zu beobachten, was sich zeigt, ohne sich sofort darauf einzulassen. Je öfter man das tut, desto weniger neigt man dazu, zu urteilen. Das bedeutet nicht, dass man zu nichts mehr eine Meinung haben darf. Sondern dass man nicht automatisch jedes Gefühl aufbauschen muss. Vielleicht bist du müde. Vielleicht ist dein Kopf voll. Vielleicht klappt heute einfach etwas nicht. Das muss nicht sofort eine Schlussfolgerung nach sich ziehen. Ein Satz von Wim bleibt dabei im Gedächtnis haften. „Man muss gut zu sich selbst sein. Und zueinander.“ Einfach gesagt. Doch in einer hektischen Woche gerät das leicht aus dem Blickfeld.

Warum es zu Hause manchmal so schwer sein kann

Zu wissen, dass man Ruhe braucht, und sich tatsächlich Ruhe zu gönnen, sind zwei verschiedene Dinge. Zu Hause lauern deine Gewohnheiten überall. Der Laptop. Das Handy. Der Fernseher, den man einschaltet, weil es sonst so still ist. Während unseres Gesprächs kommen Wim und ich auch darauf zu sprechen: wie selbstverständlich es geworden ist, jeden freien Moment wieder auszufüllen. Genau deshalb kann es helfen, buchstäblich Abstand vom eigenen Alltagsrhythmus zu gewinnen. Nicht, weil ein paar Tage weg alles für dich lösen würden. Wim betont vielmehr, dass niemand dir vorschreiben kann, welchem Weg du folgen sollst. „Das musst du selbst herausfinden“, sagt er.

Eine andere Umgebung kann dir helfen, genauer hinzuschauen. Dazu passt das Wattenmeergebiet gut. Nicht nur, weil es hier an vielen Orten ruhiger ist. Gerade weil du draußen weniger selbst bestimmen kannst. Der Wind frischt auf. Das Wasser kommt und geht. Es wird dunkel. Der Horizont liegt offen vor dir. Für einen Moment musst du das Tempo nicht selbst bestimmen. Bei einer Auszeit dreht sich alles um diesen Freiraum: Abstand vom Alltagsstress gewinnen, um neue Kraft zu tanken oder neu zu überdenken, was du brauchst. Wim macht es noch einfacher. Wenn er draußen sitzt, kann das an sich schon eine Meditation sein. Schau dir die Natur an und du siehst ständige Veränderung: Etwas entsteht, etwas löst sich wieder auf.

Selber erleben: Spazieren Sie um die Stupa herum

Viele Menschen, die zum Zentrum kommen, laufen einfach eine Runde um den Stupa. Dort gibt es Gebetsmühlen, an denen Besucher drehen können. In diesen Mühlen befinden sich Mantras. Wim beschreibt ein Mantra als einen Klang, den man rezitiert. Er erklärt, dass diese Praxis mit Mitgefühl und dem Umgang mit Emotionen verbunden ist. Man muss nicht genau verstehen, was hinter jeder Silbe steckt, um einen Moment inne zu halten. Gehe ruhig um die Stupa herum. Drehe die Gebetsmühlen. Sprich ein Mantra, wenn du möchtest. Und konzentriere dich einmal nur auf das, was du gerade tust. Denk nicht schon vorher darüber nach, wohin du als Nächstes gehst. Nimm dein Handy nicht zur Hand. Einfach nur gehen. Drehen. Schauen. Ein paar Minuten weniger Ablenkung. Das macht einen Besuch der Stupa gerade so zugänglich: Man muss nicht gleich eine große Sache daraus machen. Informiere dich vor deiner Abreise immer kurz über die Besuchszeiten. Die täglichen Übungen und Retreats finden wie gewohnt statt, weshalb nicht jeder Raum immer zugänglich ist.

Besuchen Sie die Stupa

Tipp von Wim: Achte auf deinen Atem

Möchtest du die Achtsamkeit, die Wim beschreibt, auch zu Hause üben? Dann liegt eine erste Übung buchstäblich direkt vor deiner Nase. Setz dich hin und beobachte ein paar Minuten lang deinen Atem. Du musst sie weder verlangsamen noch vertiefen. Beobachte sie einfach nur. Wo spürst du sie? Wann atmest du ein? Wann atmest du wieder aus? „Beobachte einfach nur deinen Atem“, sagt Wim. Für ihn ist das eine einfache Form der Achtsamkeit, mit der man viel anfangen kann. Schweifen deine Gedanken nach zehn Sekunden zu dem Termin morgen oder zur Einkaufsliste ab? Nimm das wahr und kehre zu deinem Atem zurück. Das ist keine misslungene Meditation. Das ist die Übung. Und lass mal etwas weg. Ein zweiter Schritt erfordert noch weniger Technik: Fülle einen stillen Moment nicht sofort aus. Lass deine Ohrstöpsel bei einem Spaziergang zu Hause. Schalte den Fernseher nicht automatisch ein, wenn du nach Hause kommst. Leg dein Handy während einer Tasse Kaffee draußen außer Reichweite. Einfach mal, um zu sehen, was passiert. Vielleicht fühlt sich diese Stille am Anfang etwas ungewohnt an. Versuche nicht, dieses Unbehagen sofort zu verdrängen. Schau es dir einfach einmal an.

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