Kartoffeln und Pilger
Het Bildt ist relativ junges Land. Die Eindeichung dauerte seit ihrem Beginn im Jahr 1505 etwa zweieinhalb Jahrhunderte. Sie schuf hervorragenden Ackerboden, beispielsweise für den Anbau von „Bildtstar“-Kartoffeln. Het Bildt ist auch eine Region, die man zu Fuß erkunden sollte. Die Weite des Himmels, die geraden Wege und der Horizont, der immer vor einem liegt – das schafft Raum. Genau deshalb passt dieser Ort gut zu einer Wanderung entlang des „Ziltepad“. Wer gerne einen Pilgerweg in den Niederlanden beschreitet, findet hier Ruhe, offene Landschaft und Zeit, um in einen anderen Rhythmus zu kommen. Wind im Gesicht, Lehm unter den Schuhen. Hier kann man genauso gut innehalten wie weitergelaufen.
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Stolz auf die Kultur
Die Bauern im Bildt sind nicht nur stolz auf ihre Ernten, sondern auch auf ihre eigene Kultur und Lebensweise. So hat die Region eine eigene Sprache. Diese verrät den Einfluss der Holländer, die kamen, um die Middelzee einzudeichen. Das Leben dieser „Slikwerker“ war hart. Schaufel für Schaufel wurde dem Meer Land abgewonnen. Der Kunstkreis „Slikwerk“ würdigt ihre Arbeit. Die ihm angeschlossenen Künstler lassen sich von der Weite des Bildt, den Salzwiesen und dem dahinter liegenden Ackerland inspirieren.
Auf der Suche nach der verborgenen Kraft dieser besonderen Landschaft. Im „Aerdenplaats“ in Oudebildtzijl gibt es einen permanenten Ausstellungsraum, in dem du dich erneut von diesen Künstlern inspirieren lassen kannst. Nimm die Fotos von Janny Vellinga mit, die im Wattenzimmer des „Aerdenplaats“ hängen. Es ist schön, sie vor Ort zu betrachten. Du kannst sie aber auch, zusammen mit ihren Gedichten, mit nach draußen nehmen. Das Büchlein führt dich entlang der gesamten Küste von Nordwestfriesland.
Für die Kunstroute „Sense of Place“ fragten die Fotografin Linette Raven und die Geschichtenerzählerin Ellen Schat die heutigen Landwirte, welche Geschichten sie über das Land erzählen möchten, das sie bewirtschaften. Das Ergebnis ist die Route „Bildtstars und Eigenheimers“ mit zehn wunderschönen Megaporträts von Raven, die auf Dachflächen, Mauern und Scheunen von Bauernhöfen zu sehen sind. Du kannst sie dir im Rahmen eines Hörrundgangs ansehen. Dabei hörst du zusätzlich die Geschichten von Schat, eingelesen vom Dichter Syds Wiersma.
Santiago am Wattenmeer
Nicht nur Künstler lassen sich von den Weiten und Ausblicken von Het Bildt leiten. Auch für Wanderer und Pilger hat der Name einen besonderen Klang. Einer Chronik aus dem Jahr 1124 zufolge sah Karl der Große in einem Traum einen Weg aus Sternen, der von der friesischen Küste bis nach Galicien reichte. Jakobus versprach ihm in diesem Traum, dass Pilger bis zum Ende der Zeit von Meer zu Meer wandern würden. Als im Zuge der Eindeichung ein neues Dorf an der Küste gegründet wurde, erhielt dieses daher den Namen St. Jacobiparochie.
Es wurde zum Ausgangspunkt einer der vielen europäischen Pilgerrouten nach Santiago de Compostela. Wer hier wandert, merkt schnell, dass es nicht nur um das Ziel geht. Man wandert durch offenes Land, vorbei an Deichen und Kirchen, mit viel Raum, um unterwegs den Kopf frei zu bekommen. Das macht Sint Jacobiparochie und den „Ziltepad“ auch heute noch zu einem naheliegenden Ort für Pilgerreisen und Besinnung.
In der auffallend ockergelben Groate Kerk im Dorf findest du ein Informationszentrum über den Pilgerweg. Wenn du die Wendeltreppe im Vorraum der Kirche hinaufsteigst, gelangst du in eine kleine Bibliothek. Hier kannst du jeden zweiten und vierten Samstag im Monat auch einen offiziellen Pilgerpass erhalten, in dem du Stempel sammeln kannst und der dir Zugang zu den „Refugios“, den Übernachtungsmöglichkeiten entlang der Route, gewährt. Die Kirche ist auch ein guter Ort, um einen Moment innezuhalten, bevor du weitergehst.
In Friesland kannst du in einigen Kirchen übernachten, die als Refugien eingerichtet sind. Von Jacobiparochie aus hast du die Wahl zwischen einer westlichen Route über Franeker und einer östlichen über Leeuwarden. Etwa fünfzehn Kilometer südlich von Leeuwarden, bei Jirnsum, laufen die Routen wieder zusammen. Unterwegs geht es nicht nur darum, Kilometer zurückzulegen. Gerade der Rhythmus aus Gehen, Schauen und Pausen passt gut zu dieser Region. Für alle, die einen Pilgerweg mit Ruhe und Weite suchen, ist dies ein idealer Ausgangspunkt im Norden der Niederlande.
Entlang des „Ziltepad“ findest du Orte, an denen du übernachten, essen und Schutz finden kannst. Klein und in der Nähe. Ein Bett für die Nacht, eine Mahlzeit aus der Region, ein Plausch am Tisch. So erlebst du nicht nur die Landschaft, sondern auch die Dörfer drum herum.
Route: Bildtstars & Eigenheimers
„Bildtstars und Eigenheimers“ ist ein Foto- und Erzählpfad entlang der Wattenmeerküste, vorbei an riesigen Porträtfotos von Kartoffelbauern inmitten der Landschaft.
Entfernung: 54,3 Kilometer | Dauer: 3 Stunden und 10 Minuten
Schau dir die Route an!Route: Archäologisches Wattenmeer Friesland
Diese archäologische Route beginnt und endet in Firdgum. Ein ganz kleines Dorf, das jedoch auf vier Warften liegt.
Entfernung: 59,3 Kilometer | Dauer: 3 Stunden und 30 Minuten
Schau dir die Route an!